Woher kommen die Gefühle? Wie soll ich mit Gefühlen umgehen? Wie kann ich beobachten, ohne zu denken?

 

 

Das sind drei Fragen in einer! : )

Jede davon richtet sich auf eine unterschiedliche Ebene.

Was sind Gefühle? Das ist Definitionssache! Psychologen werden darauf andere Antworten geben als Biologen oder Philosophen. Die (Yoga-)Sāṁkhya-Philosophie bezeichnet Gefühle als vṛttis, als innere Bewegungen, inneren Aufruhr. Ob es angenehme oder unangenehme Gefühle sind, spielt dabei keine Rolle. Die inneren Bewegungen entstehen, wenn etwas, was wir wahrnehmen, auf uns Eindruck macht – meistens heißt das, frühere Eindrücke verstärkt.

Wie sollst du damit umgehen? Im Yoga gibt es kein „Sollen“ – es geht nicht darum, etwas „richtig“ zu machen. (Das zu verstehen, erleichtert die Gefühle langfristig!) Was du tun kannst, ist die vṛttis als solche zu erkennen. Nicht: sie zu unterdrücken, denn das würde sie nur verstärken, sondern willkommen zu heißen, mit wohlwollender Neugier. Wie das gehen kann, zeigt Focusing.

Focusing und Sāṁkhya bieten auch praktische Beispiele und eine theoretische Erklärung für deine dritte Frage nach dem „Beobachten ohne zu denken“. Mit „denken“ ist hier das gemeint, was mein Lehrer Friedrich Schulz-Raffelt als „kurbeln“ bezeichnet hat – das übliche Nachdenken und gezielte Suchen nach Lösungen, oder auch das Bewerten von Wahrnehmungen. Wie das Beobachten ohne denken „geht“, hast du zumindest in unseren Yoga-Stunden bestimmt schon häufig erlebt: Eine Bewegung geschieht, ohne dass du dich darum bemühst, und weil du dich nicht anstrengst, es „richtig“ oder „besser“ zu machen, nimmst du deine eigene Bewegung viel intensiver wahr. Dann beruhigen sich die inneren Bewegungen, das Denken und das Fühlen.

Wie du das Denken und Fühlen direkt beobachten kannst, ist die Spezialität von Focusing. In der Sprache des Sāṁkhya-Yoga geschieht dann unmittelbare Wahrnehmung: Der Einsichtsfähigkeit, die manchmal als buddhi bezeichnet wird, wirkt dann direkt, ohne durch frühere Eindrücke getrübt zu werden, und damit ohne inneren Aufruhr.

Ich muss gestehen, dass ich mit dieser Antwort nicht ganz glücklich bin, weil sie doch recht theoretisch klingt. Falls es dir auch so geht, frage bitte noch mal konkreter nach – ich würde mich freuen!

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